Flugreisen

Deutschland im Reisefieber

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2019

Trotz Flugscham und drohender Rezession: Reisen steht für die Bundesbürger weiterhin ganz oben auf der Wunschliste. Das wird sich auch im kommenden Jahr nicht ändern. Spannende Urlaubsziele für die nächste Fernreise gibt es zur Genüge.

Atacama-Wüste, Chile
Atacama-Wüste, Chile, Foto: iStock/Jiann Ho

Der Sommerurlaub liegt gerade hinter uns, da planen viele schon wieder die nächste Reise. Immer mehr Deutsche entfliehen dem hiesigen Herbst mit seinem trüben Wetter samt Nieselregen und dunklen Wolken und nutzen Brückentage, verlängerte Wochenenden oder die Herbstferien für kurze, manchmal auch für längere Trips in die Ferne. 

Oftmals geht es dabei auf die Kanarischen Inseln. Sie sind noch immer das Ziel Nummer eins der Deutschen im dunklen Herbst. Im Trend liegt aber auch Asien – zum Beispiel Thailand, Taiwan oder Israel. Bei mehr als 20 Grad Wassertemperatur sind in diesen Ländern auch im November noch Ausflüge an den Strand möglich.

Deutsche bleiben reiselustig

Die Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen aus dem Jahr 2018 – aktuellere Zahlen gibt es noch nicht – zeigt: Die Deutschen bleiben reiselustig. Statistisch gesehen haben Bundesbürger im vergangenen Jahr 2,49 Kurztrips mit einer Länge von zwei bis vier Tagen und 1,29 längere Reisen mit mehr als fünf Tagen unternommen. Die Haupturlaubsreise war dabei im Schnitt 13 Tage lang, bei den zusätzlichen Urlaubsreisen waren es durchschnittlich 9,1 Tage.

Immerhin 73 Prozent der längeren Urlaubsreisen gingen ins Ausland. Das entspricht mehr als 51 Millionen Reisen, so viele wie nie zuvor. Eine Fernreise, also ein Trip zu einer Destination außerhalb Europas, unternahm 2018 etwa jeder achte Reisende. Zu den beliebtesten Reisezielen zählten neben Südostasien die USA, Nord- und Zentralafrika sowie die Karibik.

Flugreisen: Flugscham mindert Reiselust nicht

Haupttransportmittel gerade für weitere Reisen ist nach wie vor das Flugzeug. Weltweit erfolgten im vergangenen Jahr etwa 57 Prozent aller touristischen Anreisen mithilfe des Luftverkehrs. In Zeiten, in denen Klimaschutz immer drängender wird, steht dieser jedoch zunehmend 

in der Diskussion. Denn Flugreisen verursachen besonders hohe CO2-Emissionen. Noch klimaschädlicher als das Flugzeug ist nur eine Kreuzfahrt. Die großen Passagierdampfer stoßen so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Autos auf gleicher Strecke. 

Immer mehr Menschen sind daher von einem neuen Phänomen betroffen: Flugscham. Sie schämen sich, dass sich für den CO2-Fußabdruck, den sie unterwegs hinterlassen. Immerhin sechs von zehn Deutsche wissen, dass Reisen der Umwelt schadet. Ihrer Reiselust tut das bislang allerdings keinen Abbruch. „Die Menschen sind umweltbewusst, trotzdem verzichtet kaum jemand auf das Fliegen“, erklärte Michael Kopatz vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie anlässlich der Reisemesse ITB. Denn: „Wenn alle um mich herum in den Urlaub fliegen, will ich das auch.“ 

Devisen für Schwellenländer

Nicht zu vergessen in dieser Diskussion ist: Das Reisen in ferne Länder hat auch zahlreiche positive Effekte – für den Urlauber, der andere Kulturen kennenlernt und seinen Horizont erweitert, und für die Menschen vor Ort, weil der Tourismus Investitionen fördert und Devisen ins Land bringt. 

So kann einer aktuellen Studie des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) zufolge Tourismus ein wichtiger Entwicklungsfaktor für viele Schwellenländer sein. Für die Studie wurden allerdings Daten aus dem Jahr 2012 herangezogen. Seinerzeit reisten 11,2 Millionen deutsche Touristen in Entwicklungs- oder Schwellenländer, etwa sechs Millionen davon ins EU-Ausland. Dort haben sie etwa 13,5 Milliarden Euro ausgegeben. 6,9 Milliarden Euro davon flossen in Form von landesinternem Konsum als direkter Beitrag in das Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Landes. Mit ihren Reisen und den damit verbundenen Ausgaben in Schwellen- und Entwicklungsländern schufen die deutschen Touristen dort nach Berechnungen der Studienexperten 738.000 Arbeitsplätze. Zudem stiegen sowohl die Alphabetisierung und der Bildungsindex als auch die politische Teilhabe in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

Was den Urlaubsregionen dabei immer wieder zugutekommt: Die Deutschen sind auf Reisen durchaus spendabel, gespart wird im Urlaub nicht. 98 Euro geben sie durchschnittlich pro Person und Urlaubstag aus, hat die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen errechnet. „Lieber schränken sich die Bundesbürger im Alltag ein, verschieben Anschaffungen oder sparen weniger, als dass sie den Sommer zu Hause verbringen“, sagt Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung.

Urlaubstrends 2020

Und auch für die kommenden Jahre erwarten Reiseexperten, dass die Deutschen wieder ihre Koffer packen und die schönste Zeit des Jahres damit verbringen, ferne Länder und Kulturen zu erkunden. Brexit, Handelskrieg und die drohende Rezession werden der Reiselust der Bundesbürger wohl nichts anhaben. 

So haben die Autoren von Weg24.de denn auch schon einmal die Top-Reiseziele für den kommenden Urlaub zusammengetragen. Platz eins für ein Urlaubsabenteuer im Jahr 2020 belegen demnach die Ryūkyū-Inseln in Japan. Die vulkanische Inselgruppe im Süden des Landes der aufgehenden Sonne ist bekannt für ihre exquisiten Naturphänomene und die ausgezeichnete Wasserqualität. Auch die Atacama-Wüste in Südamerika, Platz zwei im Ranking der künftigen Urlaubsziele, gilt als exotisch. Die in den Anden gelegene Wüste beherbergt wilde Lamas in extraterrestrischer Landschaft – spektakulärer Sternenhimmel inklusive. Platz drei des Rankings belegt Sanya. Das „Hawaii von China“ lockt mit malerischen Sandstränden und sanften Wellen, aber auch mit chinesischer Kultur und internationalem Flair. 

Darüber hinaus empfehlen die Weg24-Experten Reisen in den Grand-Teton-National Park in Wyoming mit seinen glasklaren Seen und gletscherbedeckten Bergen, in das südkoreanische Busan oder in das afrikanische Gabun, das mit seinen natürlichen Sandstränden und der einzigartigen Fauna – hier gibt es wilde Gorillas, Elefanten und selbst Wale – Touristen aus den verschiedensten Regionen anzieht. Doch auch Ziele innerhalb Europas stehen auf der Agenda. So empfehlen die Reisexperten einen Trip in das beschauliche Fischerdorf Comporta an der Algarve im Süden Portugals, in das kroatische Dubrovnik, das als „Perle der Adria“ mit faszinierender Schönheit und kulturellen Highlights aufwartet, oder auf die Île de Porquerolles. Die kleine Insel im Mittelmeer an der Côte d’Azur wird auch als Juwel im Mittelmeer bezeichnet. 

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