Reiseziele der Deutschen

Auf und davon

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2018

Sonnenbrille, Kamera und geöffneter Koffer auf Tisch
Foto: Thinkstock

Spanien, Italien, Griechenland – die Deutschen verbringen ihre Ferien gerne in Südeuropa. Zunehmend zieht es sie jedoch auch weiter weg: Sie wollen nicht jedes Jahr nach Mallorca oder Südtirol. Stattdessen suchen sie das Abenteuer in der Fernreise, wollen die Welt entdecken und wählen jedesmal ein anderes Ziel.

Sommerzeit ist Reisezeit. Zumindest für Familien mit schulpflichtigen Kindern gibt es keine bessere Zeit, dem Alltag für einige Wochen zu entfliehen und neue Ecken auf dem Globus zu entdecken. Stehen bei vielen Familien noch immer Pauschalreisen – zum Beispiel zwei Wochen All inclusive an der Costa Brava im Holiday Resort mit Wasserspielplatz und Rutsche, Animation und Schlagerdisco – hoch im Kurs, schnüren doch immer öfter auch Eltern die Wanderschuhe, packen Fleece­jacke und Moskitohut für die Kleinen in den Rucksack und ziehen auf eigene Faust los. Doch nicht nur Familien, auch Singles und Paare, Jung und Alt gehen immer häufiger auf große Reise. Getreu dem Motto: Europa? Kennen wir. Jetzt ist die Welt dran!

Ausgefallen sollen die Reiseziele sein, nicht zu überlaufen und natürlich authentisch – und oftmals ganz weit weg. Fernreisen liegen im Trend: So planen derzeit neun Prozent der Deutschen noch in diesem Jahr eine Fernreise – eine Reise also, deren Ziel außerhalb Europas liegt. Das hat der ADAC in seinem Reise-Monitor herausgefunden. Insgesamt werden dann in diesem Jahr 18 Prozent der deutschen Urlauber eine Fernreise unternommen haben. Schon im vergangenen Jahr hatten 13,1 Prozent der Befragten ein außereuropäisches Urlaubsziel gewählt – ein Plus von 1,7 Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2016. 

USA, Asien, Karibik

Beliebtestes Fernreiseziel sind laut ADAC-Reise-Monitor die USA – insgesamt 4,8 Prozent aller Befragten verbringen ihren nächsten Urlaub im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das ist auch kein Wunder, in puncto Reise bieten die Vereinigten Staaten vielseitige Optionen: Ob Entspannungs- oder Abenteuerurlaub, Wandern im Grand Canyon oder Shopping in New York, kreolische Kultur in New Orleans oder Stars und Sternchen in Hollywood, hier kommt jeder auf seine Kosten. Zudem fördern die USA den Individualtourismus, in kaum einem anderen Land können Urlauber so flexibel reisen – Mietwagen und Inlandsflüge sind günstig und schnell gebucht, Unterkünfte gibt es in jedem Preissegment ausreichend. So bereisten allein im Jahr 2015 etwa 2,7 Millionen Deutsche die USA.

Quelle: BAT Stiftung für Zukunftsfragen, 2018

Beliebt sind aber auch Ziele im Fernen Osten – traditionelle Urlaubsorte wie Thailand und China, aber auch ausgefallene Destinationen wie Laos oder die Mongolei stehen bei 3,4 Prozent der deutschen Urlauber hoch im Kurs. Und mit dem sich dem Westen öffnenden Kuba, aber auch mit Dauerbrennern wie Costa Rica, der Dominikanischen Republik oder Mexiko steht die Karibik auf 2,4 Prozent der Boardingpässe der Urlauber. Australien zieht dagegen weniger Urlauber an. Wer den 24-stündigen Flug nach Down Under oder auf den Nachbarstaat Neuseeland antritt, bleibt meist länger als nur ein paar Wochen. Australien ist der Kontinent, auf dem die Deutschen ihr Sabbatical verbringen. Zulauf als Urlaubsdestination hat dagegen Afrika. Der schwarze Kontinent punktet heute mit seiner unberührten Wildheit, mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt und mit urtümlichen Bräuchen, Riten und Festen. Große wie kleine Entdecker kommen hier voll auf ihre Kosten. 

Reiseziele: Wer lange fliegt, will auch viel sehen

Doch wie verbringen die Deutschen ihren Urlaub im fernen Lande? „Auf der Fernstrecke ist auf jeden Fall die relative Zahl der Ausflüge und Rundreisen größer“, weiß Marek Andryszak, Geschäftsführer von TUI Deutschland. Die Urlauber verließen ihr Hotel eher, wollen Land und Leute erkunden und nicht nur am hoteleigenen Pool relaxen. „Auf der Fernreise wird außerdem viel mehr kombiniert: Sri Lanka mit den Malediven, Dubai mit Mauritius, oder auch innerhalb eines Landes, Bangkok mit Ko Samui zum Beispiel. Wer lange fliegt, will mehr sehen als nur einen Ort im Urlaubsland“, erklärt der Reiseexperte im Interview mit dem Merkur.

Wanderungen durch tropische Wälder oder hinauf auf die Gipfel der Berge oder die Krater naher Vulkane, Ausflüge zu historischen Tempelanlagen, bedeutenden Bauwerken und faszinierenden Ruinen, feilschen auf bunten Märkten mit schmackhaften Früchten und unbekanntem Streetfood, relaxen, tauchen, schnorcheln an den schönsten Stränden des Erdenrund – deutsche Fernreisende gehen gerne auf Entdeckungstour. Das liegt auch daran, dass sie bei der nächsten Reise in der Regel ein anderes Ferienziel suchen. Ganz im Gegensatz zum Pauschaltouristen, der seinem Ferienort, oftmals gar dem Hotel, lange treu bleibt, suchen Fernreisende immer wieder neue, unbekannte Orte. Und da wollen sie dann möglichst alles sehen.

Per Rakete schneller ans Ziel

Bleibt nur das Problem des langen Fluges: Zehn, zwölf oder gar zwanzig Stunden kommen je nach Ziel bei einer Fernreise locker zusammen. Die eingeklemmt zwischen anderen Reisenden in viel zu engen Sitzen zu verbringen, ist so manchem Urlauber ein Graus. Ein Problem, dem sich Visionär und Tesla-Gründer Elon Musk jetzt annehmen möchte: Er plant, bald Städte-Fernreisen per Rakete anzubieten: Mit Geschwindigkeiten von bis zu 27.000 Stundenkilometern könnte man damit in 39 Minuten zum Beispiel von New York nach Shanghai fliegen; von New York nach London wären es sogar nur 30 Minuten. Kosten soll das ganze laut Musk nicht mehr als ein herkömmlicher Flug. Starten und landen würde die Reakte auf schwimmenden Plattformen, die wiederum per Fähre mit den Städten verbunden sind. Damit würde das Projekt mit dem Codenamen „Big Fucking Rocket“ auf dieselbe Raketentechnik setzen, die auch für das Weltraumprogramm von SpaceX entwickelt wird. Na dann mal gute Reise!

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