Urlaubsplanung

Die „populärste Form des Glücks“

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2020

Die Deutschen sind im Reisefieber. Fast zwei Drittel der Bundesbürger packen regelmäßig ihre Koffer und machen sich auf in ferne Länder. Immer öfter stehen auch Fernziele außerhalb Europas auf dem Flugticket. Nachhaltig soll der Urlaub aber trotzdem sein.

Moseltal in Deutschland – Blick auf Weinhänge und Stadt
Foto: iStock/ah_fotobox

Fernreisen boomen: Noch nie verbrachten mehr Deutsche ihren Urlaub außerhalb Europas. So sind im vergangenen Jahr 17 Prozent der Bundesbürger nach Asien oder Afrika, nach Australien oder Amerika geflogen. Das ergab die 36. Deutsche Tourismusanalyse, für die über 3.000 Personen ab 18 Jahren zu ihrem Reiseverhalten im Jahr 2019 sowie zu ihren Urlaubsplänen für 2020 von der Gesellschaft für Konsumforschung befragt wurden. Ergebnis: „Urlaub bleibt die populärste Form des Glücks“, resümiert Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, die die Analyse in Auftrag gegeben hat. 

Auf dieses Glück wollen die Deutschen nicht verzichten. So unternahmen in der abgelaufenen Reisesaison 61 Prozent der Bundesbürger wenigstens eine Urlaubsreise von mehr als fünf Tagen Dauer. 21 Prozent waren sogar zweimal unterwegs und 19 Prozent packten noch häufiger ihre Koffer. Für 17 Prozent der Reisenden ging es 2019 in die Ferne. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 machten nur 10,9 Prozent der Befragten Urlaub außerhalb Europas. 

Der Trend zur Fernreise dürfte sich auch in diesem Jahr fortsetzen. „Selbst wenn diese etwas teurer sind, ist sich bereits jetzt mehr als jeder sechste Bürger sicher, ein Ziel außerhalb Europas zu besuchen“, so das Fazit der Reiseprognose für das kommende Jahr. Besonders profitieren würden Urlaubsregionen in Fernost sowie in Nordamerika. Im vergangenen Jahr standen Länder wie Kanada, die USA, China, Thailand oder Indonesien auf der Agenda.

Best in Travel

Ähnliche Ziele hat auch der Reiseführerverlag Lonely Planet für dieses Jahr ausgemacht. Mit „Best in Travel 2020“ veröffentlichte der Verlag auch vergangenes Jahr wieder die Top 10 der Länder, Städte und Regionen. Auf Platz eins schaffte es der Himalaya-Staat Bhutan, der trotz steigender Beliebtheit bei Reisenden aus aller Welt klimaneutral bleiben möchte. Daneben stehen England – aufgrund der Eröffnung des vollendeten Fernwanderwegs England Coast Path –, Nordmazedonien, Aruba und Swasiland auf der Lonely-Planet-Länder-Liste.

Als Topstädte führt die Verlagsjury Salzburg – die Festspiele werden hundert –, Washington DC, Kairo, das irische Galway und – auf Platz fünf – Bonn auf. Die ehemalige deutsche Hauptstadt schafft es in die Empfehlungsliste, weil sie den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven im kommenden Jahr ausgiebig feiert. 

Zudem steht eine Tour entlang der zentralasiatischen Seidenstraße mit Ländern wie Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan auf dem Plan. Dank verbesserter Infrastruktur und weniger Visa-Mühen schaffte es die ehemalige Handelsstraße auf den ersten Platz der spannendsten Regionen. Doch auch die mittelitalienische Region Marken, das japanische Tohoku, Maine in den USA sowie die kroatische Kvarner Bucht sind unter den Top-10-Regionen. Besonders günstige, aber dennoch spannende Regionen sind die indonesische Provinz Ost-Nusa Tenggara, Budapest sowie der indische Bundesstaat Madhya Pradesh. 

Quelle: BAT Stiftung für Zukunftsfragen, 2020

Urlaubsplanung: Nachhaltig reisen

Unverkennbar ist bei aller Reiselust, dass sich immer mehr Reisende eine umweltschonendere Urlaubsgestaltung und Anreise wünschen. So befürwortet mehr als die Hälfte der Bevölkerung umweltfreundlichere und sozial nachhaltigere Urlaubsreisen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) erstellt wurde. Allerdings: Weniger als zehn Prozent der Befragten setzen dies bei der Reisebuchung und -gestaltung auch um.

Dabei geht es keineswegs nur um die Umwelt. Nachhaltige Tourismusgestaltung basiert auf drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: auf der sozialen, der ökologischen und der ökonomischen Dimension. „Wenn der Tourismus so gestaltet wird, dass er angemessene und sichere Löhne für die einheimischen Arbeitnehmer bietet, faire Arbeitspraktiken und soziale Bedingungen für das Personal gewährleistet, einen Austausch zwischen den Reisenden und der einheimischen Bevölkerung ermöglicht, die kulturellen Besonderheiten der Region fördert, sodass auch die Bewohner vom Tourismus profitieren und keine Ressourcen verschwendet werden, dann kann der Tourismus zu einer global und lokal nachhaltigen Entwicklung beitragen“, erklärt Marco Giraldo, Geschäftsführer von TourCert. Das Unternehmen berät und begleitet Firmen und Destinationen weltweit auf dem Weg zu einem nachhaltigen Tourismus.

In puncto Fliegen gilt dabei: Jeder Flug sollte gut überlegt sein. Zu erwägen ist, ob die Entfernung zum Urlaubsort in einem angemessenen Verhältnis zur Reisedauer steht. Für ein langes Wochenende zum Shoppen nach New York zu fliegen, ist wenig nachhaltig. Zudem sollten Kurzstreckenflüge unter 700 Kilometern vermieden. Bei Langstreckenflügen mit mehr als 2.000 Kilometern sollte der Urlaub wenigstens 14 Tage dauern. Wer eine Flugreise bucht, könnte zudem einen freiwilligen Klimaschutzbeitrag über Klimakompensationsanbieter leisten, um durch den Flug verursachte CO2-Emissionen auszugleichen. Die Anbieter nutzen die Beiträge für Klimaschutzprojekte – zum Beispiel für die Förderung Erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern.

Nahe Destinationen in Europa lassen sich dagegen leicht mit Bus und Bahn erreichen. Zudem sollten sich Reisende vor Ort möglichst umweltverträglich fortbewegen. Statt des eigenen Mietwagens lassen sich Touren auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Mitfahrgelegenheiten oder vielleicht sogar mit Fahrrad oder E-Bike organisieren. Das ist nicht nur umweltfreundlich – es bringt auch ganz neue spannende
Erlebnisse.

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