Townshiptouren in Kapstadt

Kochen mit Mama Noks

Von Miriam Galler · 2018

Südafrikanisches Braai
Foto: iStock/Lwando Nqweniso

Townshiptouren sind für viele Touristen fast schon ein fester Bestandteil einer Südafrikareise. Allein in Kapstadt gibt es zahlreiche Varianten. Wichtig dabei ist, dass auch die Einwohner davon profitieren.

Alles begann damit, dass Mama Nokhaya Geld verdienen musste, um ihre beiden Töchter zur Schule schicken zu können. Ihre Idee: Touristen zu beherbergen – und noch mehr. Mama Noks, wie sie genannt wird, zeigt Menschen das wahre Leben in den Townships von Kapstadt, kocht für sie und bringt ihnen einige Worte ihrer Muttersprache Xhosa bei. Mittlerweile ist das für sie mehr als eine Einnahmequelle geworden, es ist eine Leidenschaft und ein Bedürfnis. Denn Südafrikas Town­ships sind die Wunde der Apartheid, die noch heilen muss. Doch zu zeigen, dass die Menschen dort auch fröhlich sind, ist Mama Noks wichtig. 

„Was man nicht tun sollte, ist, ein Land zu verurteilen, die Menschen dort zu bedauern oder in einer Entwicklungshelferrolle unterwegs zu sein“, sagt auch Professor Harald Zeiss, Experte für nachhaltiges Reisen. „Die Deutschen sind nicht wesentlich glücklicher als die Menschen in Entwicklungsländern.“ Mit der richtigen Perspektive auf die Unterschiede zu schauen, sei also sehr wichtig.

Townshiptouren: Urlaub, der berührt

Eine Möglichkeit dafür ist Community Based Tourism (CBT). Ziel dieses persönlichen Gemeindetourismus ist es, einen engeren Kontakt zu Einheimischen herzustellen, um deren Leben, Kultur und Umwelt näher kennenzulernen. Wer sich für diese Reiseform entscheidet, lässt zudem die einheimische Bevölkerung vom Tourismus in ihrer Region profitieren. Harald Zeiss spricht in diesem Zusammenhang von Pro-Poor-Tourismus: „Wer das schon mal gebucht hat, weiß, dass man nicht nur im Bus sitzt, sondern sich zu Fuß einen Überblick verschafft, mit den Menschen in Kontakt tritt, lernt, wie ihr Alltag aussieht und vielleicht sogar versteht, dass die meisten Menschen auch ein relativ normales Leben führen“, erklärt der Professor. 

Bei Mama Noks haben bis zu 16 Personen Platz. Küche und Badezimmer werden wie bei einer richtigen Familie geteilt. Abends gibt es ein typisches südafrikanisches Braai (Grillen). „Solche Nächte liebe ich, weil dann mehrere Kulturen zusammenkommen“, sagt Mama Noks.

14 weitere Mamas

Zu Mama Noks haben sich noch 14 weitere Mamas mit ihren Gästezimmern gesellt. So können in ein und derselben Straße bis zu 40 Touristen untergebracht werden. Gospelgottesdienst, Kinderheim, Sportbar, Medizinmann oder Tanzen bei Mzoli’s – die etwas andere Metzgerei – die Ausflugsmöglichkeiten sind nicht nur vielfältig, sondern ein Urlaubserlebnis, das seinesgleichen sucht. Touristen, die mit Townships im Vorfeld Elend und Gewalt verbinden, berichten im Nachhinein häufig von einem positiv-beseelten Erlebnis. Auch wenn eine Übernachtung oder gleich mehrere einen intensiveren Einblick geben, ist auch ein Tagesausflug eine Erfahrung wert. „Pro-Poor-Tourismus öffnet vielen Urlaubern die Augen hinsichtlich der Lebensbedingungen in den südafrikanischen Townships“, sagt Zeiss.

Die Besuche bei Mama Noks enden mit einem liebevollen Eintrag in ihrem Gästebuch. „Vielen Dank, dass wir bei Dir wohnen durften. Es hat uns sehr gefreut, Dich und Deine Familie kennengelernt zu haben. Wir bereuen nur, dass wir nicht mehr Zeit hatten.“

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