Nachhaltiger Tourismus

Mit gutem Gewissen

Von Pia Wegener und Katharina Lehmann · 2019

Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen – das Bedürfnis, Umwelt und Klima zu schonen, aber auch. Allerdings lassen leider sich Fernreisen und Kreuzfahrttrips nicht so recht mit den Klimaschutzzielen übereinbringen. Doch es gibt Möglichkeiten, nachhaltig Urlaub zu machen.

Mann mit Trekkingrucksack wartet auf die Bahn
Foto: iStock/Stephane Noiret

Rund 3.000 Atlantik-Meilen trennen England von den USA. Als die Klimaaktivistin Greta Thunberg diese Strecke am 14. August überwinden will, steigt sie nicht ins Flugzeug, sondern zusammen mit ihrem Vater Svante in die Segelyacht „Malizia II“ des norddeutschen Segelprofis Boris Herrmann. Eines ist der mutigen 16-Jährigen in diesem Moment sicher: die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Denn ihren 14-tägigen Segeltörn zum UN-Klimagipfel in New York verbindet sie mit einer klaren Botschaft: Man kann etwas ändern, und zwar sofort – zum Beispiel indem man segelt, anstatt ins CO2-ausstoßende Flugzeug zu steigen. 

Der Haken an der Sache: Gleichzeitig steigen zwei Mitglieder aus Hermanns Segelteam ins Flugzeug, um die Yacht anschließend zurückzusteuern. Wie Greta selbst wieder nach Europa kommt, ist noch unklar. Die Teammanagerin der Segler, Holly Cova, gab gegenüber Spiegel Online zu, dass der Trip nach New York insgesamt ökologisch keine perfekte Lösung ist. Aber das Team leiste Kompensationszahlungen und „ausgleichen ist besser als nichts zu tun“, sagte Cova. Außerdem habe die Menschheit noch keinen Weg gefunden, einen Ozean zu überqueren, ohne einen CO2-Fußabdruck zu hinterlassen.

Nachhaltiger Tourismus: viele Hürden zu bewältigen

Das Problem haben alle, die Fernreisen machen und sich dennoch nachhaltig verhalten möchten. Anders als bei Inlandsreisen gibt es die Alternative Bahn nicht. Außerdem spielt neben den Urlaubskosten auch der Zeitaspekt eine Rolle. Wer mit dem Flugzeug in zehn Stunden einmal um die halbe Welt reisen kann, will seine wenigen Urlaubstage nicht in Zugwaggons oder auf Segelbooten verbringen. 

Gutes Gewissen beim Reisen

Dennoch: Guten Gewissens und nachhaltiger reisen, das geht – meint zumindest Laura Jäger von der Arbeitsstelle Tourism Watch beim Hilfswerk Brot für die Welt. Sie hat für Urlauber einige Empfehlungen parat. So plädiert Jäger dafür, auch mal Ziele mit kürzerer Anreise zu wählen – also lieber Amsterdam als Amerika oder Kopenhagen statt Kenia. Unter Umständen könne man dann auch klimaschonende Verkehrsmittel wie die Bahn nutzen. Wer doch fliegt, soll länger vor Ort bleiben und dafür seltener in das Flugzeug steigen. Zudem besteht die Möglichkeit der Kompensation. Dabei spenden CO2-Verursacher Geld an Organisationen, die damit klimafreundliche Projekte finanzieren und so an anderer Stelle Emissionen einsparen. Möglich machen das Initiativen wie Atmosfair oder Klima-Kollekte. 

Als Umweltverschmutzer gelten aber nicht nur Flugzeuge. Auch die luxuriösen Kreuzfahrtschiffe, die die Meere der Welt durchqueren, haben keine gute Klimabilanz. Die ersten Unternehmen setzen zwar bereits auf das umweltverträglichere Flüssigerdgas LNG. Diese Schiffe lassen sich aber noch an einer Hand abzählen. Außerdem handelt es sich bei LNG ebenfalls um einen fossilen Brennstoff, der laut Experten einen ähnlichen Einfluss auf die Umwelt hat wie Diesel.

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