Japan

Spiritualität inmitten der Moderne

Von Saskia Schumann · 2019

Zen-Harken im Steingarten, meditieren im buddhistischen Tempel oder den Shintō-Göttern einen Wunsch vortragen – inmitten des durch moderne Hochtechnologien geprägten Landes der aufgehenden Sonne eröffnet sich Touristen eine Welt der Spiritualität. Zwei Religionen existieren im Einklang miteinander – und mit der Moderne.

Yasaka Pagode und die Sannen Zaka Straße in Kyoto
Yasaka Pagode und die Sannen Zaka Straße in Kyoto. Foto: iStock/tawatchaiprakobkit

Betritt den Schrein nicht durch die Mitte des Tores, sie ist für die Götter reserviert – so lautet eine Regel in den knapp 100.000 Shintō-Schreinen, die es in Japan gibt. Sie sind den verschiedenen Gottheiten, den Kami, gewidmet. Besuchen kann sie jeder, auch Touristen betreten gerne die religiösen Stätten, in denen man den Göttern einen Wunsch vortragen kann. Damit der auch erfüllt wird, müssen aber einige Regeln beachtet werden. So gilt es, vor dem großen Tor die Mütze vom Kopf zu nehmen und sich zu verbeugen. Aber darf eben dieses Tor nur an den Seiten durchschritten werden. Denn wer durch das Tor tritt, verlässt das Reich der Menschen und betritt das der Götter. 

Im Anschluss geht es zur rituellen Waschung. Die Besucher sollen sich symbolisch reinigen, um den Göttern sauber ihr Gebet vorzutragen. Wie das geht, zeigen gerade in von Touristen stark frequentierten Gebieten piktografische Karten. Grundsätzlich gilt aber: Zuerst wird die linke Hand gewaschen, dann die rechte. Dann wird mit der linken Hand der Mund gewaschen. Anschließend wird erneut die linke Hand gewaschen, danach schließlich die Kelle. Aber Achtung: Diese sollte bei der Reinigung keinesfalls mit den Lippen berührt werden. Auch verbietet es sich, Münzen in den Brunnen werfen. Im Anschluss können Besucher am Hauptschrein ihren Wunsch den Göttern vortragen. Dazu sollten sie die Glocke ein paarmal läuten, um die Aufmerksamkeit der Götter zu erlangen. Sie verbeugen sich zweimal, klatschen in die Hände und tragen ihren Wunsch im Stillen vor. Abschließend verbeugen sie sich noch einmal. So haben sie ihren Wunsch erfolgreich übermittelt – ob der aber in Erfüllung geht, entscheiden immer noch die Götter selbst.

Japan: Zwischen Shintoismus und Zen-Buddhismus

Neben dem Shintō, der Urreligion Japans, hat sich im Land der aufgehenden Sonne auch der Buddhismus als Hauptreligion durchgesetzt. Zwischen den beiden Glaubensrichtungen entstand aber keine Feindschaft. Im Gegenteil, die meisten Japaner fühlen sich heute beiden Religionen zugehörig; shintoistische Schreine und buddhistische Tempel existieren oft sogar in direkter Nachbarschaft. 

Doch während die Shintō-Schreine auffällig gestaltet und farbenfroh verziert sind, bestechen die buddhistischen Zen-, Stein- und Moosgärten mit ihrer Einfachheit. Die Leere soll den Geist frei machen für die Meditation – und das Erfahren des Buddha. Denn die Existenz des Erleuchteten soll in allen Dingen spürbar und erlebbar sein. So empfiehlt es sich, sich einmal von der Stille und Leere eines buddhistischen Gartens einfangen zu lassen und den einfachen Dingen des Lebens nachzuspüren. Getreu dem Motto: Man kann die Kiefer erst kennenlernen, wenn man zu ihr hingeht. Das erkannte übrigens schon der japanische Dichter Bashō vor 400 Jahren. 

Quelle: Japan National Tourism Organization, 2018
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